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Weitwandern auf dem Lechweg

Eine Weitwanderung auf dem Lechweg klingt nach: Entschleunigung, eine Auszeit vom Alltag, Zeit in der Natur und noch dazu aktiv zu sein – genau das, was ich gerade benötige.

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Meine letzte Weitwanderung ist bereits 4 Jahre her. Damals ging es für mich durch die Landschaft Patagoniens und Perus und ich weiß noch genau, wie unglaublich gut mir das getan hat und wie sehr ich mich in dieser Zeit mit der Natur und mit mir selbst verbunden habe.

Seitdem möchte ich immer mal wieder eine längere Tour unternehmen, da man so doch nochmals ganz anders abschalten kann.
Weitwanderwege gibt es ja einige, aber vielleicht liegt es daran, dass ich in Vorarlberg, Allgäu und Tirol sehr viel Zeit verbracht habe: Der Lechweg hat mich schon lange begeistert und mir war klar, wenn ich eine Weiterwanderung mache, dann wird der Lechweg meine erste Tour sein. Und so ist es auch.

Gemeinsam mit Janna von Alpenactief und Sabrina von Couchflucht durfte ich 8 Tage voll mit tollen Abenteuermomente erleben und eintauchen in diese faszinierende Landschaft rund um den Lech – passend zum 10-jährigen Geburtstag des Wanderweges.

Ich durfte den Lechweg im Rahmen einer Kooperation mit dem Verein Lechweg erkunden. Alles, was du in diesem Artikel liest, beruht auf meinen eigenen Erfahrungen und ist meine eigene individuelle Meinung.

Schon mal eins vorweg genommen: Der Lechweg ist ein tolles Erlebnis für alle, bei denen es nicht immer viele Höhenmeter und Gipfel sein müssen, sondern die alpines Flair in mittleren Höhenlagen entdecken möchten. Perfekt, um sich an das Weitwandern in den Alpen heranzutasten. Auch sehe ich keine Probleme, den Weg komplett alleine zu wandern.

Den Lechweg erwandern

Entlang des Leches zu wandern, heißt gleichzeitig auch einen der letzten Wildflusslandschaften Europas zu entdecken.
Geworben wird: Weitwandern auf dem Lechweg – von der Quelle bis zum Fall. Was natürlich auch total logisch ist. Der ursprüngliche Wegverlauf ist nämlich, mit dem Lech und seiner Geschichte zu wandern, also von der Quelle in Vorarlberg bis zum Lechfall in Füssen im Allgäu und den Lech auf der Wanderung sozusagen ins Erwachsenenleben zu begleiten.

Wir sind aber ein bisschen rebellisch und wandern den Lechweg in die andere Richtung – von Füssen bis zum Formarinsee. Die Tour ist somit etwas anspruchsvoller und man macht etwas mehr Höhenmeter. Aber für mich persönlich ist es viel schöner, in die Berge hinein zu laufen, das Panorama vor sich liegen zu haben und von der Stadt Schritt für Schritt tiefer in die Natur einzutauchen; die Ruhe nicht nur zu hören, sondern auch erlebbar zu machen.

Weitwandern auf dem Lechweg

Der Lechweg ist ein moderater Weitwanderweg, auf 125 km erwandert man fünf verschiedene Regionen und lernt dabei die Landschaft und Kultur kennen. Man kann sich den Lechweg in verschiedene Etappen einteilen, von sportlich ambitioniert in 6 Tagen bis zu gemütlich und entspannt in 10 Tagen. Je nach Geschmack.
Wir haben uns für eine etwas gemütlichere Tour entschieden und sind den Lechweg in 8 Tagen gewandert.

Das Wanderportrait des Lechweg

Etappen

8

Distanz

125 km

Höhenmeter

ca. 3.500 Hm ↑↓

Schwierigkeit

keine alpinen Herausforderungen

Anforderungen

Kondition

Startpunkt

Füssen im Allgäu → Formarinsee

In diesem Jahr feiert der Lechweg übrigens sein 10-jähriges Bestehen und seitdem durften viele Wanderer erleben, wie sich der Lech von der Quelle bis nach Füssen verändert und so auch die Landschaft. Was immer gleich ist, ist die Qualität des Wanderweges. Als “Leading Quality Trail” ist hier u.a. für gute Wege und Markierungen gesorgt.

Los gehts zur Wanderung auf dem Lechweg

Auch wenn ich doch sehr oft in meiner Tannheimer Tal Zeit in dem malerischen Städtchen Füssen war, habe ich mir nie wirklich die Zeit genommen, auch mal hinter die Fassaden der Stadt zu schauen. Aber es lohnt sich, am Abend vor der Wanderung auf dem Lechweg noch einen Rundgang zu unternehmen und in die Geschichte der Römer und Geigenbauer einzutauchen. Am Abend herrscht in Füssen eine besonders schöne Stimmung.

Stadtrundgang im Füssen im Allgäu

Endlich wieder Weitwandern!

Lechweg Etappe 1: Von Füssen im Allgäu bis nach Pflach in Tirol

Gehzeit

ca. 4 Stunden

Distanz

16,5 km

Höhenmeter

500 Hm ↑ & 450 Hm ↓

Highlights

Lechfall | Kalvarienberg | Alpsee

Er begrüßt uns schon von Weitem mit einem kräftigen Rauschen: der Lech – “Hi, schön dich zu sehen, ab heute werden wir gemeinsam 8 Tage miteinander verbringen – durch Höhen und Tiefen.”
Auch wenn gerade durch die trockenen Monate der Lech recht wenig Wasser hat, donnert das Wasser am Lechfall in die Tiefe und gleitet weiter durch die Schlucht. Türkisblau – genau wie ich es in Erinnerung habe und wir es von vielen Bildern kennen.

Ein wundervoller Einstieg auf der ersten Etappe des Lechwegs.

Lechfall Start der Wanderung auf dem Lechweg
Der Lechfall - Unser Start der Wanderung auf dem Lechweg

Direkt nach dem Lechfall startet der Lechweg mit den ersten Höhenmetern. Es geht hinauf auf den Kalvarienberg, der uns mit einem Rundumblick belohnt: von den Dächern Füssens, über die umliegenden Seen, zum Lech und weiter bis zum Schloss Neuschwanstein vor den Allgäuer Bergen. Was für ein Auftakt!

Ausblick vom Kalvarienberg

Über den Alpenrosensteig geht es hinunter zum beeindruckenden Alpsee. Durch die Laubbäume können wir die ersten Farbkleckse in der Natur sehen und dann liegt er vor uns mit seiner unglaublichen Farbe. WOW. Einfach nur WOW. Ich bin geflasht.
Wir wandern weiter und umrunden nun den Alpsee und es lohnt sich, immer mal wieder anzuhalten, denn nach jeder Ecke erblickt man eine neue Perspektive. Mal mit Schloss Neuschwanstein, dann kommt Hohenschwangau hinzu und über allem thronen die Zacken der Allgäuer/Ammergauer Alpen.

Wunderschöne Ausblicke am Alpsee

Es hilft nichts, wir müssen die Ausblicke und den Alpsee hinter uns lassen und biegen hinauf in den Märchenwald. Wer denkt, dass Wandern im Wald langweilig ist: Nein, es lohnt sich, im Wald auf die Details am Wegesrand zu achten. Dann entdeckt man nämlich auch, wenn man die Landesgrenze nach Österreich passiert. Noch ein paar Höhenmeter und dann liegen auch schon die Tiroler Berge vor uns.

“Sag mal, wo ist eigentlich der Lech?” – Erst nach einigen Kilometern ist uns aufgefallen, dass wir den Lech seit dem Kalvarienberg gar nicht mehr gesehen oder gehört haben, zu viel auf der ersten Etappe, dass uns immer wieder ins Staunen brachte.

Aber umso schöner, als wir von der Sternschanze kurz vor unserem Etappenziel Pflach wieder den Blick auf den Lech werfen können. So sind wir beruhigt und freuen uns jetzt auf unsere Stärkung im Hotel “Gasthof zum Schwanen“, unsere Unterkunft für die kommende Nacht.

Landesgrenze am Lechweg

Einmal im Regen tanzen

Lechweg Etappe 2: Von Pflach bis nach Weissenbach

Gehzeit

ca. 4,5 Stunden

Distanz

20 km

Höhenmeter

ca. 400 Hm ↑↓

Highlights

Vogelturm | Frauensee | Lechufer

Ich liege im Bett und höre Regen. Oh nooo, bitte nicht! Ich hatte gestern doch noch den Wetterbericht geprüft und da war Regen erst ab 19 Uhr angesagt. Und Kopfschmerzen habe ich auch noch. Meine Motivation, im Regen zu starten, ist nicht sonderlich hoch.

Aber jammern hilft bekanntlich ja nichts. Deshalb rein in die Regensachen und los geht’s.

Das ist mal wieder so ein Moment, wo ich mir denke, es lohnt sich doch einfach immer, sich aufzuraffen und rauszugehen. Mit der richtigen Ausrüstung macht es auch Spaß und langsam hellt es sich auf –  nicht nur meine Stimmung.

Direkt zu Beginn in Pflach erwartet uns der Vogelerlebnispfad und der Vogelturm, den wir direkt besteigen. Von hier oben haben wir einen wundervollen Ausblick auf das Naturschutzgebiet.

Lechweg Etappe 2

Ein kurzer, knackiger Aufstieg durch den Wald und zack, stehen wir inmitten einer Bilderbuchlandschaft. Der Frauensee liegt malerisch eingebettet zwischen Wald und Bergflanken und das Wetter hat sich einmal um 360 Grad gedreht. Strahlend blauer Himmel. Der See lässt uns nochmals kurz Kind sein und wir trauen uns aufs Wasser  – aber nur mit einem Floß.

Am Frauensee

Hinter dem See geht der Anstieg weiter bis zur Costarieskapelle. Der perfekte Pausenplatz mit Blick ins Tal und auf den Lech.

Ach ja, der Lech! Es wird mal wieder Zeit, ihn aus der Nähe zu bestaunen. Also ab nach unten. Unglaublich wie klar das Wasser hier im Lech ist, obwohl es die Nacht über geregnet hat.

Stromaufwärts geht es für uns 5 km entlang des Lechs. Fünf Kilometer auf gerader Ebene können sich aber doch ziemlich ziehen – zum Glück finden wir aber nochmals ein tolles Plätzchen direkt am Ufer.

Kurze Pause entlang des Lechs

Die heutige Etappe und besonders die letzten Kilometer waren ziemlich ermüdend und wir sind nach 20 Kilometern auch echt froh, als wir in unserer Unterkunft Naturpark Florence* endlich unsere Beine hochlegen durften.

Einmal kurz nach Skandinavien und Alaska

Lechweg Etappe 3: Von Weißenbach am Lech bis nach Elmen

Gehzeit

ca. 5 Stunden

Distanz

21,5 km

Höhenmeter

ca. 320 Hm ↑ 250 Hm ↓

Highlights

Forchacher Hängebrücke | Panormaausblicke

Wir sitzen beim Frühstück, als es neben uns plötzlich wieder anfängt zu regnen. “Halt, das war so mit unserer Wetterapp nicht abgestimmt.”

Aber auch heute hilft kein Warten, vor uns liegt eine recht lange Etappe: Knapp 21 km dürfen wir heute auf dem Lechweg wandern. Deshalb raus in die Natur und rein in die grünen Wiesen. Unglaublich wie grün die Wiesen hier sind.

Ich hatte ein bisschen Bedenken, dass die flachen Kilometer entlang des Lechs etwas langweilig werden könnten. Aber da habe ich mich zum Glück getäuscht. Wir passieren den smaragdgrünen Lechausee, kreuzen den Lech und kurz darauf stehen wir in einem kleinen Märchenwald. Die Szenerie erinnert etwas an Schweden –  zumindest stelle ich mir so Schweden vor. 

Wanderung im Märchenwald

Ein Highlight ist die Forchacher Hängebrücke. Hier habe ich ein kleines Alaska Deja-vu, da mich die Landschaft und der Blick total an meine Wanderung im Denali Nationalpark erinnert.

Lechausblick mit Alaska Deja Vu
Wandern über die Forchacher Hängebrücke

Bei Vorderhornbach erwartet uns kein kurzer und vor allem hitziger Aufstieg. Die Hollywoodschaukel kommt da sehr gut gelegen. Kurz mal ein paar Minuten pausieren und die Aussicht genießen. Weiter geht der Weg und dieses Mal bringt er uns direkt in eine unglaubliche Bergkulisse. Für mich ein absolutes Highlight und das schönste Stück der Etappe. Mein Herz schlägt direkt etwas höher. Kann mich kaum satt sehen am Panorama!

Lechweg Panorama

Nach ca. 21 km erreichen wir das Hotel Lechzeit*. Jetzt heißt es Wanderklamotten aus, Bademantel an und ab in Wellnessbereich. Kann ja nicht schaden 😉 Diese Regeneration tut gut.

Wasser soweit das Auge reicht

Lechweg-Etappe 4: Von Elmen bis nach Elbigenalp

Gehzeit

ca. 3 Stunden

Distanz

12,8 km

Höhenmeter

ca. 230 Hm ↑ 160 Hm ↓

Highlights

Doser Wasserfall

Wie schon die letzten Tage starten wir mit Regencape direkt auf dem Panoramaweg hinter dem Hotel. Das Wetter hat der Wanderung durch den Wald einen mystischen Touch gegeben.

Man merkt, dass der Herbst vor der Tür steht. Gefällt mir sehr! Und auch hier, wer mit offenen Augen durch den Wald geht, entdeckt viele kleine Details, wie Pilze oder Alpensalamander.

Wanderung durch den Regen
Schöne mystische Stimmung im Wald

Weiter geht es über den Burweg bis zum Doser Wasserfall. Das Highlight der heutigen Etappe. Tiefklar und jede Menge Wasser. Perfekt, um hier einige Fotos zu machen.

Am Doser Wasserfall

Nach unserem Abstieg folgen wir wieder dem Wildfluss und das Wetter ist jetzt auf unserer Seite. Der Lech hat durch den Regen zwar einiges an Wasser, aber leider eine sehr schlammige Farbe. Wir vermissen ein bisschen das tolle Blau von den ersten Etappen.

Heute sind wir früh dran und so machen wir noch einen Abstecher in die Schnapsbrennerei „Lechtaler Haussegen”, die köstlichen Schnaps und Likör herstellen. Ein Besuch, der sich wirklich lohnt. Auch ein Blick in die Wunderkammer sollte nicht fehlen. Hier erfährt man vieles über die Kultur und Geschichte der Lechtaler Bevölkerung.

Wer viel wandert, darf auch gut essen. Und das kommt auf unsere Wanderung nicht zu kurz. Ein Wunder, dass wir eigentlich nicht schon rollen 😉

Ein besonderer Tipp ist das Restaurant “zur Geierwally”. Ein uriges Lokal, das einem Museum gleicht. Die ein oder andere Anekdote aus dem Tal gibt es hier auch gleich dazu.

Unsere heutige Unterkunft: Haus Walch*

Besuch in der Schnapsbrennerei Lechtaler Haussegen und der Wunderkammer

In schwindelerregender Höhe

Lechweg Etappe 5: Von Elbigenalp bis nach Steeg

Gehzeit

ca. 4,5 Stunden

Distanz

10,5 km

Höhenmeter

ca. 470 Hm ↑ 400 Hm ↓

Highlights

Hängebrücke Holzgau | Hägerauer Wasserfall

Wir wandern erstmal ein Stück den Lech entlang, der heute leider wieder keine schöne Farbe hat – war aber bei dem Regen auch nicht anders zu erwarten.
In Bach erwartet uns durch den Regen ein kleines Phänomen. Hier fließt ein Bergbach direkt in den Lech und der Mix auf tief blau und braun gibt hier einen tollen Übergang.

Es folgt ein kurzer Aufstieg zur Kapelle und auf der Rückseite hinab.
Bei guter Sicht lohnt sich ein Abstecher mit der Jöchlspitzbahn auf den Berg für einen tollen Ausblick. Die Fahrt ist mit der Lechtal Aktivcard sogar kostenlos. Panorama hatten wir leider keines, dafür aber einen Kaffee, der uns weitere Energie für die Lechweg-Wanderung gibt.

Wandern entlang des Lechs

Wir wandern weiter auf dem Panoramaweg bis zur Hängebrücke nach Holzgau. In der Ferne sehen wir schon eine graue Front auf uns zukommen. Wir können noch schnell genug unsere Regenklamotten anziehen und kurze Zeit später stehen wir auch schon mitten im Regen und zwar so richtig!

Das hält uns aber nicht davon ab, weiter durch die wunderschöne Landschaft mit ihren Holzstegen zu wandern.

Ein Vorteil: Bei dem starken Regen haben wir die Holzgauer Hängebrücke für uns alleine. Für nicht schwindelfreie Wanderer gibt es die Möglichkeit, über den offiziellen Weg und den Simmswasserfall zu wandern.

Auf dem Lechweg
Hängebrücke Holzgau
Hängebrücke Holzgau

Da wir inzwischen bis auf die Knochen nass sind, entscheiden wir uns für eine kurze Kaffee- und Kuchenpause und schmieden schon Pläne, wann wir mit dem Bus weiterfahren. Ein weiterer Vorteil vom Lechweg. Man kommt mit dem Bus super einfach von A nach B.

Die Gästekarten auf dem Lechweg
Es gibt keine einheitliche Lechweg-Karte, da der Wanderweg durch verschiedene Tourismusregionen führt. Man bekommt jedoch ab 1 Übernachtung die jeweilige Karte in der Unterkunft. Diese beinhalten meist die Busfahrten, verschiedene (Seil-)Bahnfahrten und weitere Ermäßigungen.

Aber nichts da. Die Sonne steht wieder auf unserer Seite. Also, Wanderrucksack auf und weiter geht’s.

Über den Jochweg führt das letzte Stück bis nach Steeg. Kurz vor unserem Ziel wartet aber noch ein Highlight: der Hägerauer Wasserfall.

Wanderung am Lechweg

In Steeg angekommen, besuchen wir Kurt in seiner Naturkäserei Sojer.  Er gibt uns einen Blick hinter die Kulissen und erklärt uns, wie sie hier aus regionaler Milch die verschiedenen Arten herstellen. Wir sind ziemlich erstaunt über die Prozedur und das Lager.
Verkosten dürfen wir natürlich auch. Und ich kann euch sagen, der Bergkäse hat mich sogar überzeugt. Das Lunchpaket für den nächsten Tag ist auf jeden Fall gesichert 😉

Tipp: Das beste Eis soll es hier auch geben – uns war jedoch nach unserer nassen Wanderung nicht danach. 

Wir schlüpfen lieber in unser gemütliches Familienzimmer im Gasthof Moosbrugger*.

Naturkäserei Sojer

Regentropfen im Gesicht. Sonne im Herzen. 

Lechweg Etappe 6: Von Steeg bis nach Warth in Vorarlberg

Gehzeit

ca. 3,5 Stunden

Distanz

15,5 km

Höhenmeter

ca. 590 Hm ↑ 210 Hm ↓

Highlights

Panoramaweg | Gehrnerhof - Lisbeth Fritz

Wenn ich dieser Etappe des Lechwegs einen Filmtitel geben müsste, dann wäre das: Regen in Dauerschleife, aber mit Happy End.

Ein Blick auf die Wetter-App und der anschließende Blick nach draußen nehmen uns die letzte Hoffnung auf trockenes Wetter.  Aber wie heißt es so schön: Wer Sonne im Herzen trägt, ist nicht vom Wetter abhängig.

Von Steeg aus wandern wir erst einen Teil des Lechs entlang und passieren dann die Querung zur Alten Lechtalstraße, die uns in vielen Serpentinen stetig bergauf führt. Wenn auch der Weg etwas zäh ist, so lohnt es sich immer wieder, die Regenkapuze zur Seite zu ziehen und den Blick nach hinten zu werfen, denn es gibt tolle Panorama Ausblicke zu entdecken.

den Panoramawanderweg erwandern

Nach gefühlt ewigen zwei Stunden Aufstieg, erreichen wir den Panoramaweg, der uns weiter nach Warth bringt. Wie der Name erahnen lässt, beglückt er uns mit tollen Panorama-Ausblicken. Immer den Biberkopf im Visier geht es weiter. Zwischendurch wurde der Regen immer mal leichter und unsere Hoffnung war wieder da, aber leider war das vermutlich nur, um sich zu sammeln und anschließend nochmals so richtig alles zu geben.

Wanderung auf dem Lechweg

“Lisls Einkehrstube” am Gehrnerhof kommt da perfekt gelegen. Ein Unikat in der Region und eine unglaubliche Frau, die ihrer Leidenschaft nachgeht, dem Kochen! Und so verwöhnt sie uns mit einem phänomenalen Apfelschmarrn (den sie sich übrigens spontan überlegt und einfach improvisiert hatte) und erzählt uns so einige Meilensteine in ihrem Leben. Und dabei strahlen ihre Augen.

Wir haben es eigentlich nicht mehr geglaubt, aber tatsächlich konnten wir die letzten Kilometer im Trockenen nach Warth einlaufen. Und sind mehr als froh, denn die Landschaft ist einfach nur WOW.
Schön, in meiner zweiten Heimat Vorarlberg angekommen zu sein!

Im Hotel Walserberg* können wir heute Abend so richtig abschalten und uns im Wellnessbereich aufwärmen.

Wanderung in Warth

Wilde Gebirgsläufe und tiefe Schluchten

Lechweg-Etappe 7: Von Warth nach Lech am Arlberg

Gehzeit

ca. 3 Stunden

Distanz

11 km

Höhenmeter

ca. 290 Hm ↑ 340 Hm ↓

Highlights

Wasserfälle | Lechschlucht | Lech am Arlberg

Wir verlassen heute das Walserdorf Warth und gelangen vorbei am Natursee auf einen wunderschönen Waldpfad. Zum Glück steht heute eine kurze Etappe auf dem Plan, denn wir verbringen etwas viel Zeit mit Fotografieren. Aber der Wald ist auch wirklich märchenhaft. Der Pfad führt hinunter an den Lech, welchen wir queren.

Stetig bergauf wandern wir nun wieder entgegen des Lechstroms und bekommen immer wieder schöne Ausblicke auf die Lechschleifen und kleinere Wasserfälle.

Wir wandern Richtung Grenztobel und erhaschen einen Blick in die Lechschlucht. Atemberaubend hier den wilden Fluss zu beobachten, wie er sich seinen Weg bahnt. Es ist Wochenende, das merken wir, da wir deutlich mehr Menschen begegnen als die Tage zuvor.

Immer wieder queren wir Wasserfälle und Bachläufe (Achtung, es kann an einigen Stellen bei Regen sehr rutschig sein) und erreichen nach nur 11 km unser Hotel Haldenhof* in Lech. Auch hier genießen wir nochmals den Saunabereich, bevor wir vom Haus kulinarisch verwöhnt werden.

Gebirgsfälle und die Lechschlucht
Gebirgsfälle und die Lechschlucht

FINALE und das könnte schöner nicht sein!

Lechweg-Etappe 8: Von Lech bis zum Formarinsee und weiter zur Freiburger Hütte

Gehzeit

ca. 4,5 Stunden

Distanz

17,2 km

Höhenmeter

ca. 590 Hm ↑ 120 Hm ↓

Highlights

Alles 🙂

Mit Sonne im Gesicht startet unser Weg in Lech und wir machen uns auf die letzte Wanderetappe des Lechweg. Schon zu Beginn sind wir Feuer und Flamme. Der blaue Himmel und die Sonnenstrahlen sind nach den regnerischen Tagen Balsam für die Seele. Wir queren schon bald den Lech und müssen uns doch eingestehen, dass es noch recht frisch ist. Kein Wunder, hatten wir in der Nacht auch den ersten Frost.

Immer wieder streicht die Sonne durch unser Gesicht, wenn wir durch den Wald wandern. Und dann stehen wir an dem ersten Aussichtspunkt. Vor uns liegt der leuchtende Lech und im Hintergrund die Bergspitzen. Gänsehautmoment!

Die schönste Etappe des Lechwegs

Über Holzstege, schmale Waldpfade und schotter Wege, dürfen wir Schritt für Schritt immer weiter eintauchen in diese faszinierende Landschaft.

Wir kommen auch ehrlich gesagt kaum voran, zu schön ist es und ein Highlight jagt das andere.

Wir folgen dem Lech, spannend zu sehen, wie der Lech über die Tage immer kleiner wurde und die Natur immer wilder. Ein toller Platz zum Pausieren ist an der Mündung des Formarinbachs und des Spullerbachs zum jungen Lech.

Lechweg Wanderung

“Hörst du das?” – “Nein, was denn?” – “Der Lech ist weg!” Und plötzlich ist es still, das Rauschen, das uns die letzten Tage begleitet hat, ist weg. Und die Quelle? Haben wir sie verpasst? Tatsächlich gibt es nicht diese EINE Quelle, sondern man spricht hier eher vom Lechquellengebiet.

Und dann liegt er vor uns: der Formarinsee! Unglaublich! Wow! Wir umrunden den See und dann heißt es: GESCHAFFT!

Etappenfinale der Lechwegwanderung

Nach 8 Tagen und 135 km sind wir an der Freiburger Hütte angekommen.

Atemberaubend ist der Ausblick von hier auf den See mit der Roten Wand, ins Klostertal und sogar bis ins Rätikon.

Die Rote Wand hat mich schon bei meinen anderen Wander-Touren in Vorarlberg aus der Ferne immer wieder beeindruckt. Immer wieder habe ich mir gesagt, dass ich dort auch mal wandern möchte. Und heute stehe ich direkt davor und lasse die letzten Tage Revue passieren. Etwas melancholisch bin ich schon. Ich bin super gerne hier unterwegs gewesen. Schade, dass es schon zu Ende ist.

der Formarinsee und die Rote Wand

Nichts, was noch fehlt, oder doch? Ja, ein Sonnenuntergang in den Bergen! Aber den bekommen wir von der Freiburger Hütte auch noch. Perfekter hätte unsere Tour nicht enden können!

Sonnenuntergang an der Freiburger Hütte
Sonnenuntergang an der Freiburger Hütte

8 Tage, 125 km, 3450 hm, ein Fluss, 10000 Regentropfen im Gesicht, ein paar Motivationstritte, etliche Lacher und unendliche WOW-Momente – mein Fazit zur Wanderung auf dem Lechweg

Ich wollte Entschleunigung und eine Auszeit vom ganzen Alltagsstress und das habe ich auf meiner Wanderung auf dem Lechweg bekommen. Wenn ich zurückdenke, zaubert sich ein Lächeln in mir auf und trotz des vielen Regens hatten wir wirklich tolle Tage.

Eine wundervolle Landschaft, die sich mit jeder Etappe entwickelt und verändert. Den Lech vom “Erwachsenenalter” bis zur “Geburt” zu begleiten, ist ein unglaubliches Gefühl. Ich würde die Tour wieder in diese Richtung gehen, da es von Tag zu Tag schöner wurde und ich mich von Tag zu Tag noch mehr mit der Natur verbunden fühlte.

Habt ihr schon einmal eine Weitwanderung gemacht und wäre das etwas für euch?

Allgemeine Informationen für deine Wanderreise auf dem Lechweg

Wo genau führt der Lechweg entlang?

Der Lechweg führt vom Formarinsee in Vorarlberg durch das Lechtal in Tirol bis nach Füssen im Allgäu.

Was macht den Lechweg so besonders?

Auch ohne alpine Erfahrung bekommt man auf dem Lechweg das Gefühl, mitten in den Alpen zu sein. Der Lechweg bringt einen auf einfachen Pfaden und tieferen Lagen die Berge näher. Er ist meiner Meinung nach der perfekte Weitwanderweg, um eine Mehrtageswanderung in den Alpen auszuprobieren.

Wann ist die beste Zeit, um den Lechweg zu wandern?

Wer den kompletten Weg wandern möchte, der sollte die Wanderung auf dem Lechweg am besten zwischen Juni und Oktober planen. Der Formarinsee ist der höchste Punkt mit 1.793 m, hier sollte unbedingt die Schneelage bedacht werden. Wer früher oder später unterwegs sein sollte, kann jedoch auch einige Etappen in niedriger Lage wandern.
Aber auch hier gilt die goldene Regel: vorher immer das Wetter prüfen.

Wie anspruchsvoll ist der Lechweg?

Der Wanderweg wird offiziell als moderates Wandern bezeichnet. Was meiner Meinung nach zutrifft. Ich finde auch, dass es ein wirklich einfach zu begehender Wanderweg ist. Auf dem Lechweg wandert man in den niedrigeren Höhenlagen und hat keine Gipfel zu besteigen, aber man sollte nicht unterschätzen, dass man eben zwischen 15 und 20 Kilometer pro Tag wandert und +/- 8 Tage am Stück. Es sollte also schon Kondition da sein 🙂

Wie finde ich mich auf dem Weg zurecht?

Mir wurde es leicht gemacht, denn überall ziert mein Anfangsbuchstabe den Weg.
Ok, Spaß beiseite. Das weiße “L” ist überall zu finden und weist den Weg. Man kann den Weg eigentlich nicht verlieren.

Kann man die Etappen kürzen?

Du hast die freie Wahl, wie du deine Etappen einteilst. Dadurch, dass die Route eher im Tal läuft und immer mal wieder Ortschaften passiert, kannst du deine Etappen so legen, wie du möchtest. Du kannst auch Teilstrecken auslassen und mit dem Bus zurücklegen.

Wo übernachte ich während meiner Wandertour?

Wir haben in Gasthäusern, Pensionen und Hotels übernachtet. Das bleibt dir frei. Die Kombination war perfekt für uns. In den Ortschaften findest du genau das, was deinem Geschmack entspricht. Möchtest du auf deiner Tour lieber etwas entspannter unterkommen, kannst du auch mehrere Tage in einer Unterkunft sein und dann einfach mit dem öffentlichen Bus zum nächsten Startpunkt fahren.

Wann muss man die Unterkünfte buchen?

In der Hauptsaison solltest du dich frühzeitig um Reservierungen kümmern. Während der Nebensaison hast du sicher etwas mehr Glück auch spontan eine Unterkunft zu bekommen.

Muss man sich auf die Wanderung auf dem Lechweg vorbereiten?

Ich habe mich nicht vorbereitet, bin aber auch sehr viel wandern oder mache Ausdauertraining. Auch wenn die Wanderung auf dem Lechweg als moderat ausgeschrieben ist, sollte man sie nicht unterschätzen. Ausdauer- und Konditionstraining kann nicht schaden 🙂 Ansonsten plan lieber noch Ruhetage ein.

Wie komme ich am besten zum Start- und vom Endpunkt?

Die Anreise mit dem ÖPNV ist recht einfach. Füssen ist mit der Bahn und Lech dann mit dem Bus (über Reutte) verbunden. Je nachdem wo du startest. Alle Orte entlang des Lechwegs werden hier angefahren, d.h. wenn du nur ein paar Etappen gehen möchtest und wegen der Zeit eine auslassen möchtest, ist das kein Problem.

Habt ihr das Gepäck getragen oder gibt es einen Gepäcktransfer?

Das Gute: Es gibt einen Gepäcktransfer, der einen Koffer von A nach B bringt. Somit kannst du dich voll auf das Wandern und die Natur konzentrieren und musst nicht  noch einen schweren Rucksack mittragen. Der Gepäcktransport kostet aktuell (Stand 2022) € 11 pro Tag in der Saison, was total angemessen ist. Mehr Infos gibt es auf der Seite des Lechwegs.

Welche Ausrüstung benötige ich für meine Wandertour?

Zuallererst hängt das natürlich davon ab, wie viele Etappen du gehen möchtest und ob du dein Gepäck selbst transportieren möchtest oder du lieber einen Gepäcktransport buchst. Wenn du Gepäcktransport hast, kannst du natürlich noch etwas mehr Wechselklamotten einpacken.

Welche Ausrüstung ich dabei hatte (grundsätzlich unterscheidet sich bei mir Tages-/Mehrtagesrucksack nicht groß):

Kleidung:

  • Knöchelhohe Wanderschuhe mit guter Sohle
  • Softshell-Jacke*/Windbreaker
  • Wanderhose*
  • Leggins (für Abends und ggfs als trockener Ersatz)
  • Longsleeve
  • Daunenjacke*
  • Buff*/Halstuch
  • Stirnband/Mütze
  • Regenjacke
  • Wechsel-T-Shirt
  • Fleece

Technik:

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Ich bin Lisa. Weltenbummlerin, Abenteuerjunkie, Bergliebhaberin und vieles mehr. Wandern ist meine Leidenschaft und so versuche ich so viel Zeit wie möglich in der Natur zu verbingen.

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